Pferdegestützte Therapie
Die pferdegestützte Therapie für Kinder und Jugendliche ist ein ganzheitlicher, ressourcenorientierter Ansatz, der sowohl die körperliche als auch die emotionale, geistige und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördert. Im Mittelpunkt steht die Begegnung zwischen Mensch und Pferd. Diese besondere Form der Therapie nutzt die positiven Eigenschaften des Pferdes, um Kinder und Jugendliche zu stärken, zu begleiten und ihnen zu helfen, sich selbst besser kennenzulernen und ihre eigenen Ressourcen zu entdecken.
Freude und Spaß im therapeutischen Prozess
Ein besonderer Vorteil der pferdegestützten Therapie ist, dass sie eine freudvolle und spielerische Erfahrung für die Kinder darstellt. Viele Kinder, die zu uns kommen, sagen, dass sie zum Reiten gehen und das ist völlig in Ordnung. Das therapeutische Angebot wird als Freizeitaktivität erlebt und haben dabei auch Spaß. Das Spielen mit den Tieren, das Entdecken neuer Wege der Kommunikation und das gemeinsame Arbeiten mit dem Pferd schafft eine Atmosphäre, in der die Kinder sich entfalten können und ihre Freude am Lernen und Wachsen wiederentdecken. Besonders für Kinder, die oft therapiemüde sind oder den üblichen Therapieansatz in Praxisräumen nicht annehmen, bietet diese Form der Unterstützung eine willkommene Ergänzung. Sie können in einem natürlichen Umfeld arbeiten, in dem sie sich wohler fühlen und ohne Druck neue Erfahrungen sammeln. Hier geht es darum Kindern in einem natürlichen, entspannten Umfeld zu helfen, ihre eigenen Stärke zu entdecken. Das Ganze darf auch Spaß machen!
Kindlichem Bewegungsdrang nachkommen
Gerade Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der im Alltag oft zu kurz kommt. In der pferdegestützten Therapie können Kinder sich bewegen – aktiv, spielerisch und sogar auf dem Pferd. Ob beim Führen des Pferdes, beim Spazierengehen im Wald, beim Clickertraining oder beim Reiten – die Kinder können sich in Bewegung ausdrücken und ihre Energie auf eine gesunde Weise ausleben. Das stärkt gleichzeitig die Koordination, das Körperbewusstsein und die Körperhaltung. Zudem werden das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in den eigenen Körper gefördert.
Ein wertfreier Raum der Begegnung
Das Pferd reagiert nicht wie ein Mensch, sondern bietet eine ehrliche, unvoreingenommene und wertfreie Antwort auf die Interaktionen, die es mit dem Kind oder Jugendlichen eingeht. In diesem Raum entsteht die Möglichkeit für tiefe emotionale Erfahrungen, in denen sich Vertrauen und Geborgenheit entwickeln können. Kinder, die oft in einer Welt von Herausforderungen, Unsicherheiten und sozialen Belastungen leben, finden im Kontakt mit den Pferden eine Quelle der Ruhe. Sie erfahren, was es heißt, angenommen zu werden – einfach so, wie sie sind. Das Tragen auf dem Pferd bietet eine weitere, einzigartige Erfahrung. Die sanfte Schaukelbewegung des Reitens hat eine beruhigende Wirkung und vermittelt den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen. Das Gefühl, auf dem Pferd getragen zu werden, ist für viele Kinder besonders intensiv und trägt maßgeblich dazu bei, dass sie sich sicher und gestützt fühlen.
Ruhe finden und innere Balance herstellen
Die therapeutische Arbeit mit Pferden bietet den Raum, sich von äußeren Reizen zu distanzieren und zur Ruhe zu kommen. In einer Welt, die oft von Überforderung, Lärm und Ablenkungen geprägt ist, lernen Kinder und Jugendliche, durch den achtsamen Kontakt mit den Pferden eine innere Balance zu finden. Das Zusammensein mit dem Tier, das Streicheln, Füttern, Spazierengehen oder Reiten hilft, zur Ruhe zu finden und den eigenen Körper sowie die eigenen Gefühle besser wahrzunehmen.
Ressourcen entdecken und Stärken fördern
In der pferdegestützten Therapie geht es darum, verborgene Stärken und Fähigkeiten zu aktivieren. Pferde sind von Natur aus feinfühlige Wesen, die in der Lage sind, die emotionalen Zustände ihrer Umgebung wahrzunehmen. Diese Fähigkeit macht sie zu hervorragenden Begleitern, wenn es darum geht, Kindern zu helfen, ihre eigenen inneren Ressourcen zu entdecken. Sie erfahren, wie sie ihre Ängste überwinden, Vertrauen aufbauen und Verantwortung übernehmen können. Dabei stehen nicht die reiterlichen Fähigkeiten im Vordergrund, sondern das Stärken von Selbstvertrauen, Selbstwahrnehmung und sozialen Kompetenzen. Mit wachsendem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten trauen sich einige Kinder sogar, über das gewohnte Reiten hinauszugehen und auf dem Pferd zu traben, rückwärts zu sitzen oder sogar zu stehen.
Pferdegestützte Therapie als Ergänzung zu anderen Therapieansätzen
Die pferdegestützte Therapie ist eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden therapeutischen Ansätzen, nicht als Ersatz. Sie trägt zu einer interdisziplinären Therapie bei und bietet eine zusätzliche, sinnvolle Möglichkeit, die emotionalen und sozialen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zu fördern. In Kombination mit anderen therapeutischen Verfahren – sei es in der klassischen Psychotherapie, Ergotherapie oder anderen heilenden Ansätzen – kann die Arbeit mit den Pferden neue Impulse setzen und unterstützend wirken. Sie ersetzt nicht die klassische Psychotherapie, sondern ergänzt sie, sodass Kinder in einem neuen Umfeld und auf eine andere Art Zugang zu ihren Ressourcen finden können.
Erlebnispädagogische und therapeutische Methoden
Neben der Begegnung mit den Pferden kommen auch erlebnispädagogische und therapeutische Methoden zum Einsatz, die den Kindern helfen, ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu erkennen und zu erweitern. Diese Methoden sind oft spielerisch und abwechslungsreich, sodass sie den Kindern ermöglichen, auf eine freudvolle Weise zu lernen und zu wachsen. Die Kinder können sich durch kreative Aktivitäten, Gruppenaufgaben und gemeinsames Arbeiten weiterentwickeln und neue Perspektiven auf schwierige Themen gewinnen – und dabei viel Spaß haben!
Clickertraining als Methode
Ein Highlight ist das Clickertraining, bei dem die Kinder mit den Pferden auf spielerische Weise zusammenarbeiten. Diese Methode basiert auf positiver Verstärkung: Durch ein Klickgeräusch wird das gewünschte Verhalten des Pferdes belohnt. So lassen sich Kunststücke aufbauen. Es ist eine effektive Möglichkeit, Kommunikation, Geduld und Feinfühligkeit zu fördern. Kinder lernen so, ihre Handlungen bewusst zu steuern und durch klare Signale mit dem Pferd zu interagieren. Diese Methode stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und fördert gleichzeitig den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zum Tier. Darüber hinaus lernen die Kinder, dass Geduld und Konsequenz zu positiven Ergebnissen führen – sowohl im Umgang mit Tieren als auch im Alltag.
Für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen
Die pferdegestützte Therapie richtet sich an Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder anderen Herausforderungen, die ihre persönliche und soziale Entwicklung erschweren. Ob ADHS, Angststörungen, Autismus-Spektrum-Störungen oder emotionale Belastungen – der Umgang mit den Pferden kann auf vielfältige Weise zur Stabilisierung und Förderung des individuellen Wohlbefindens beitragen. Besonders in der Zusammenarbeit mit einem Pferd können Kinder in ihrem eigenen Tempo ihre Stärken entfalten und einen Weg zu mehr Selbstvertrauen und emotionaler Ausgeglichenheit finden. Die pferdegestützte Therapie ist besonders förderlich für Kinder, die Schwierigkeiten haben, sich selbst zu regulieren, die in sozialen Situationen oder im Umgang mit anderen Kindern unsicher sind oder viel Stress und Unruhe erleben. Oft sind es auch Kinder, die Erfahrungen von Mobbing oder Ausgrenzung gemacht haben und in einem sicheren und unterstützenden Umfeld neue Wege finden können, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Hier wird nicht nur die Gelegenheit geboten, mit den Pferden zu arbeiten, sondern auch, die Natur in ihrer Vielfalt zu erleben. Viele Kinder entwickeln eine besondere Vorliebe für bestimmte Strecken, die sie immer wieder gerne mit den Pferden oder zu Fuß erkunden. Eine dieser Lieblingsstrecken führt uns durch den Wald, wo im Frühjahr die Froschlaichsaison zu beobachten ist oder entlang des Alstinger Tals - ein beliebter Spazierweg, wo der Bachlauf plätschert. In den Abendstunden lassen sich manchmal Rehe beobachten. Diese Beobachtungen und Erlebnisse helfen den Kindern, sich zu entspannen, ihre Sinne zu schärfen und im Einklang mit der Natur zur Ruhe zu kommen.
Diese kleinen „Abenteuer“ in der Natur bieten nicht nur Ablenkung und Freude, sondern auch eine wertvolle Gelegenheit, in einem geschützten Rahmen Vertrauen zu gewinnen – in sich selbst, in die Umgebung und in die Beziehung zu anderen. In diesem entspannten Umfeld können die Kinder neue Kräfte sammeln, Selbstvertrauen entwickeln und sich mit den Herausforderungen ihres Alltags auf eine neue Weise auseinandersetzen.
Kostenübernahme und Förderungen
Die Kostenübernahme für therapeutisches Reiten ist eine Einzelfallentscheidung. Als Ansprechpartner kommen neben der Krankenkasse auch die Pflegekasse, das Jugendamt, das Sozialamt oder Vereine in Frage. Ich unterstütze Sie gerne beim weiteren Vorgehen.
Eine Förderung durch die KINDER-Not-Hilfe-SAAR e.V. ist möglich, bitte unter info@kindernothilfe-saar.de oder 01590 6605126 anfragen.
Kinder mit Pferden stark machen
-
Ruhe finden
-
Stärken entdecken
-
Ressourcen aktivieren
-
Natur und Tiere erleben